![]() |
BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG |
gefördert durch die:
|
|
|
Sandra Tiefel Es ist zu vermuten, dass Prozesse des Bildungsvertrauens wie der Vertrauensbildung in der Sozialen Arbeit allein aufgrund ihrer genuinen Aufgabe - der sozialen Integration - explizit thematisiert werden. Dies ist jedoch nicht der Fall, obwohl die AdressantInnen-Professionellen-Interaktion zum alltäglichen Handlungsvollzug zählt und mit der Frage des Beziehungsaufbaus immer auch Vertrauensmomente angesprochen sein müssten: So gilt die (gelungene) Interaktion zwischen professionellen Akteuren und den AdressatInnen beispielsweise als Voraussetzung für soziale und pädagogische Lern- und Bildungsprozesse (vgl. z.B. Brozio 1995; Schweer 1996; Ulich 1979) oder wird als professionelle Interventionen bewusst zum Erreichen spezifischer Lern- und Bildungsziele empfohlen (vgl. z.B. Bönsch/ Kaiser 2002; Brunner/ Huber 1989; Miller 1999). Inwieweit diesen Interaktionen Prozesse der Vertrauensbildung vorausgehen bzw. inwiefern Vertrauen den so genannten Beziehungsaufbau zwischen Experten und Laien begleitet, darüber liegen bislang kaum systematisch theoretische Ansätze und empirisch abgesicherte Befunde vor (vgl. Schweer 1997). Dieser Frage, ob und wenn ja, wie Vertrauen in Adressantinnen-Professionellen-Interaktion
Eingang findet, wird sich im Rahmen eines mehrsemestrigen Lehrforschungsseminars mit Studierenden
der Erziehungswissenschaft am Beispiel von ausgewählten Feldern der sozialen Arbeit empirisch
genähert. Ziel der Analyse ist es, Aufschlüsse über die wechselseitigen Prozesse des Vertrauen-Schenkens
und des Vertrauen-Verdienens (vgl. Luhmann 1973) zwischen AdressatInnen und professionellen
Akteuren in den Blick zu nehmen. Dabei sollen vor allem reflexive Mechanismen aktiver Vertrauensbildung
(vgl. Giddens 1995 und 1996) herausgearbeitet werden, die über die untersuchten sozialen Kontexte
hinaus auf weitere soziale und pädagogische Prozesse übertragbar sind. Hierzu werden den Prämissen
der Grounded Theory folgend weitere Daten erhoben und kontrastierende Vergleiche herangezogen bis
sich eine theoretische Sättigung abzeichnet.
Die Fragestellung a) widmet sich der Vertrauensbildung in Beratungsprozessen, indem untersucht
wird, "wie sich der Beziehungsaufbau in Beratungsgesprächen gestaltet". Hierbei werden einerseits von
dem Projekt 1: "Psychosoziale Beratung allgemein" Daten über eine modifizierte Gruppendiskussion
erhoben, in welcher BeraterInnen aus unterschiedlichen Beratungsstellen über den Aufbau und Verlauf
ihrer Beratungsprozesse diskutierten. Das Projekt 2: "Konfliktberatung" geht der Frage des
Beziehungsaufbaus in der Beratung anhand von Interviews mit Berate-rInnen nach, in denen diese
über narrative Fallerzählungen Beratungsprozesse verdeutlichen. In beiden Projekten steht folglich
die Exploration der Sicht der professionellen Akteure auf die Beziehungsgestaltung mit den AdressatInnen
im Vordergrund, um Aussagen darüber generieren zu können, wie diese Vertrauen erwerben bzw. verdienen.
Das Projekt 3 "Antigewalttraining" nähert sich dem Vertrauensphänomen in pädagogischen/ sozialen Interaktionen
vergleichbar dem Projekt 4 "Jugendtreff" mit der Fragestellung b) "Was motiviert AdressatInnen zur
Teilnahme und Teilhabe an ausgewählten pädagogischen Angeboten?" Projekt 3 wählte als methodischen
Zugang die teilnehmende Beobachtung an Kursen eines Antigewalttrainings mit straffälligen Jugendlichen;
Projekt 4 führte Gruppendiskussionen mit Jugendlichen aus zwei unterschiedlichen Jugendtreffs durch.
Beide Projekte widmen sich damit stärker der Sicht der AdressatInnen mit dem Ziel, Prozesse des
(aktiven) Vertrauenschenkens nachvollziehbar machen zu können. Bibliographie Bönsch, Manfred/ Kaiser, Astrid (Hg.) (2002): Beziehungslernen. Pädagogik der Interaktionen. Hohengehren Brozio, Peter (1995): Vom pädagogischen Bezug zur pädagogischen Beziehung. Soziologische Grundlagen einer Erziehungstheorie. Würzburg Brunner, Ewald Johannes/ Huber, Günter L. (1989): Interaktion und Erziehung. München Giddens, Anthony (1995): Konsequenzen der Moderne. Frankfurt a. M. OGiddens, Anthony (1996): Risiko, Vertrauen, Reflexivität. In: Beck, U./ Giddens, A./ Lash, S. (Hg.): Reflexive Modernisierung. Frankfurt a. M., S. 316-337 Giesecke, Hermann (1997): Die pädagogische Beziehung. Pädagogische Professionalität und die Emanzipation des Kindes. Weinheim Luhmann, Niklas (1973): Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Frankfurt a. M. Miller, Reinhold (1999): Beziehungsdidaktik. 3., korrigierte Aufl. Weinheim Schweer, Martin K. W. (1996): Vertrauen in der pädagogischen Beziehung. Bern Schweer, Martin K.W. (Hg.) (1997): Vertrauen und soziales Handeln. Facetten eines alltäglichen Phänomens. Neuwied Schweer, Martin K. W (Hg.) (2000): Lehrer-Schüler-Interaktion. Pädagogisch-psychologische Aspekte des Lehrens und Lernens in der Schule. Opladen Ulich, Dieter (1979): Pädagogische Interaktion. Theorien erzieherischen Handelns und sozialen Lernens. 2. Aufl. Weinheim Wegener, Hans-Dieter (1990): Norbert: Licht und Schatten des Beziehungsaufbaues in der Frühphase des therapeutischen Arbeitsbündnisses. Hamburg |
© 2009 - Forschungsnetzwerk "Bildungsvertrauen - Vertrauensbildung" - Impressum |